Die schönsten Wasserfälle Schwedens: Ein kompletter Reiseführer für Natursuchende
Die erste Begegnung mit einem schwedischen Wasserfall vergisst man nicht. Man hört ihn, bevor man ihn sieht – ein tiefes, anhaltendes Grollen, das durch den Wald zieht und sich mit dem Wind mischt. Und dann bricht man durch die Baumreihen, und da ist er: Njupeskär, mit 125 Metern der höchste Wasserfall Schwedens, eingebettet in die steilen Klippen des Fulufjället-Nationalparks. Die Gischt fegt über den Aussichtsbereich, und man begreift plötzlich, warum die Schweden ihre Wasserfälle liebevoll "Fälle" nennen – es ist mehr als ein geografischer Punkt, es ist ein Erlebnis.
Wichtige Erkenntnisse
- Njupeskär im Fulufjället-Nationalpark ist mit 125 Metern Höhe der höchste Wasserfall Schwedens – kein anderer kommt ihm nahe
- Tännforsen in Jämtland führt die meiste Wassermenge und ist am einfachsten zu erreichen, nur wenige Gehminuten vom Parkplatz
- Die meisten Wasserfälle entfalten ihre volle Kraft zwischen Mai und Juni, wenn das Schmelzwasser von den Bergen kommt
- Schwedens Wasserfälle sind überraschend zugänglich – viele erreichen Sie mit kurzen Wanderungen unter einer Stunde
- Im Süden Schwedens finden Sie charmante, kleinere Fälle, während der Norden mit spektakulären Höhen aufwartet
- Die beste Reisezeit für Kombinationstouren ist von Juni bis September, wenn die Wege trocken und die Tage lang sind
Von Kaskaden und Felsstufen: Die Vielfalt der schwedischen Wasserfälle
Schweden ist nicht für seine Wasserfälle bekannt – zumindest nicht in dem Maße wie Norwegen oder Island. Doch das ist Teil des Charmes. Während die Nachbarländer mit touristischen Mega-Attraktionen aufwarten, entdeckt man in Schweden die Wasserfälle oft fast allein, umgeben von unberührter Natur.
Die schwedischen Wasserfälle lassen sich grob in drei Kategorien einteilen: gewaltige Sturzbäche mit großem Volumen, hohe Fallkanten mit spektakulärer Optik und sanfte Kaskaden, die sich über mehrere Stufen in die Tiefe schlängeln. Jede Kategorie hat ihren eigenen Reiz, und ich habe im Laufe der Jahre gelernt, dass es sich lohnt, alle drei kennenzulernen.
Die höchsten Fälle finden Sie ausnahmslos in Nordschweden, wo die Berge der Skanden genug Höhe bieten. Die wasserreichsten liegen ebenfalls im Norden – die Flüsse dort führen im Frühjahr enorme Mengen Schmelzwasser. Und die malerischsten? Die verstecken sich oft im mittleren und südlichen Schweden, wo kleinere Bäche über Felsterrassen springen.
Was mich an den schwedischen Wasserfällen besonders fasziniert: Sie sind selten überlaufen. Selbst im Hochsommer treffen Sie an den meisten Fällen nur eine Handvoll anderer Besucher – wenn überhaupt.
Wie Schwedens Wasserfälle entstanden sind
Die Landschaft, die Sie heute sehen, ist das Werk von Jahrtausenden. Während der letzten Eiszeit schoben sich gewaltige Gletscher über Skandinavien und formten Täler, Schluchten und Felsterrassen. Als das Eis vor etwa 10.000 Jahren zurückwich, hinterließ es ein Terrain, das ideale Bedingungen für Wasserfälle schuf: harte Granitfelsen, tiefe Spalten und große Höhenunterschiede.
Die Geologie erklärt auch, warum die Fälle im Norden höher sind – dort war die Erosion durch die Gletscher besonders stark. Und warum einige Fälle über Stufen fallen, während andere senkrecht abstürzen: Es hängt vom Gestein ab. Wo sich harte und weiche Schichten abwechseln, entstehen Kaskaden. Wo ein einziger harter Felsblock den Fluss stoppt, entsteht eine steile Kante.
Njupeskär und der Fulufjället-Nationalpark: Der höchste Wasserfall Schwedens
Wenn von Wasserfällen in Schweden die Rede ist, fällt unweigerlich ein Name zuerst: Njupeskär. Mit einer Fallhöhe von 125 Metern ist er der höchste Wasserfall des Landes und gleichzeitig einer der beeindruckendsten.
Der Parkplatz am Fulufjället liegt an der Straße zwischen Särna und Älvdalen, gut erreichbar mit dem Auto. Von dort führt ein markierter Wanderweg in etwa 45–60 Minuten zum Wasserfall – je nach Tempo und Anzahl der Fotostopps. Der Weg ist gut ausgebaut und mit Holzstegen versehen, sodass auch weniger geübte Wanderer ihn bewältigen können.
Besonders empfehle ich den Besuch am späten Nachmittag. Dann fällt das Sonnenlicht schräg durch die Schlucht, und der Wasserfall erstrahlt in einem warmen, goldenen Glanz. Fotografen sollten unbedingt ein Stativ mitnehmen – die Langzeitbelichtung der fallenden Wassermassen wird zu einem sanften Schleier.
Der höchste Punkt: Was Sie vor dem Besuch wissen sollten
Der Zugang zum Fulufjället ist kostenlos, da es sich um einen Nationalpark handelt. Die Parkgebühr für das Auto beträgt dagegen 60 SEK pro Tag (Stand: 2026), was etwa 5 Euro entspricht – ein fairer Preis für die gut gepflegte Infrastruktur. Vor Ort finden Sie Toiletten, Picknickplätze und ein Informationszentrum mit einer kleinen Ausstellung über den Park und seine Bewohner.
Der Wanderweg zum Njupeskär windet sich zunächst durch lichten Birkenwald, dann entlang eines Bachs hinauf. Ehrlich gesagt habe ich die Strecke anfangs unterschätzt – was flach aussieht, hat es im Gelände in sich. Der Anstieg ist moderat, aber stetig. Nehmen Sie gutes Schuhwerk mit, die Holzstege können bei Feuchtigkeit rutschig sein.
Tipp: Kombinieren Sie den Besuch mit der Bergtroll-Wanderung, einer anspruchsvolleren Route, die Sie auf die Hochebene des Fulufjället führt. Von dort haben Sie einen einmaligen Blick auf den Wasserfall von oben – ein Perspektivwechsel, den kaum jemand kennt und der die Mühe mehr als wert ist.Tännforsen: Der wasserreichste Fall Schwedens
Wer mit dem Auto durch Jämtland fährt, sollte einen Stopp einplanen: Tännforsen nördlich von Åre ist Schwedens wasserreichster Wasserfall – und mit einer Fallhöhe von 38 Metern beeindruckend genug, um selbst die anspruchsvollsten Besucher zu überzeugen.
Was Tännforsen von Njupeskär unterscheidet, wird sofort klar, sobald Sie den Parkplatz erreichen: Man hört das Donnern bereits, bevor man das Wasser sieht. Der Fluss stürzt mit enormer Wucht über die Felskante, und die Gischt steigt wie Nebel über der Schlucht auf. Im Frühjahr, wenn der Schnee schmilzt, erreicht die Wassermenge ihren Höhepunkt – dann ist der Anblick schlicht überwältigend.
Der Weg zum Aussichtspunkt dauert nur wenige Minuten und ist barrierefrei ausgebaut. Für diejenigen, die tiefer eintauchen möchten, gibt es einen Rundweg entlang des Flusses mit mehreren Aussichtsplattformen. Die beste Sicht hat man von der westlichen Seite, die näher an der Fallkante liegt.
Tännforsen im Winter: Ein Besuch im Eispalast
Hier kommt der Punkt, den die meisten Reiseführer auslassen: Tännforsen ist im Winter genauso spektakulär wie im Sommer. Wenn die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen, gefriert die Gischt an den Felsen und bildet eine Eisschicht, die den Wasserfall in einen glitzernden Eispalast verwandelt. Das Wasser fließt darunter weiter, und das Zusammenspiel aus fließendem Wasser und gefrorener Struktur ist ein unvergesslicher Anblick.
Bekleiden Sie sich bei einem Winterbesuch entsprechend – an den Aussichtsplattformen ist es eisig. Die Parkplätze werden im Winter geräumt, die Zufahrt ist also unproblematisch. Nur der Rundweg kann vereist sein, daher empfehle ich feste Stiefel mit Profilsohle.
Weitere lohnenswerte Wasserfälle: 7 Perlen abseits des Mainstreams
Natürlich ist Schweden mehr als nur Njupeskär und Tännforsen. Über die Jahre habe ich eine Liste persönlicher Favoriten zusammengestellt, die sich durch Erreichbarkeit, landschaftliche Reize und den besonderen Charakter auszeichnen:
1. Stora Sjöfallet – Ein gewaltiger Fall in Nordschweden, der allerdings stark vom Wasserkraftwerk beeinflusst wird. An bestimmten Tagen im Sommer wird das Wasser freigegeben, dann entfaltet er seine volle Pracht. Die Tage wechseln jährlich, eine Voranmeldung beim Besucherzentrum lohnt sich.
2. Hällingsåfallet – Mit 43 Metern Höhe und einer Breite von über 40 Metern ein beeindruckender Vorhang aus Wasser in Jämtland. Der Zugang ist etwas abenteuerlicher über eine Hängebrücke, die die Schlucht überspannt – nichts für schwache Nerven, aber ein Erlebnis.
3. Nämforsen – In der Nähe von Lappland gibt es hier archäologische Funde: Zahlreiche Felsritzungen, die bis zu 6.000 Jahre alt sind, liegen direkt am Flussufer. Eine spannende Kombination aus Natur und Kultur.
4. Hallamölla – Eine der größten Wasserfälle im Süden, in Schonen gelegen. Nach einem trockenen Sommer kann er reduziert fließen, aber nach Regenfällen ist er überraschend kraftvoll. Umgeben von Buchenwald – im Herbst ein Farbenspiel.
5. Älgafallet – Ein verstecktes Juwel in Västergötland, nur wenige Meter hoch, aber mit einem charmanten, wilden Charakter. Der kurze Wanderweg durch den Wald ist ideal für eine spontane Pause von der Straße.
6. Danska Fall – Ein kleines, aber feines Kaskadensystem in Nordschweden, das sich über mehrere Stufen erstreckt. Perfekt für Familien mit Kindern, da der Weg flach und gut begehbar ist.
7. Treppen Wasserfall – Die Bezeichnung bezieht sich auf die treppenartige Struktur mehrerer Fälle, die sich in den Vindelfjällen befinden. Diese Region ist eines der letzten großen Wildnisgebiete Europas – Einfachheit und Weite prägen hier das Erlebnis.
Schwedens Wasserfälle auf der Karte: Von Süden nach Norden
Die geografische Verteilung schwedischer Wasserfälle folgt den natürlichen Gegebenheiten: je weiter nördlich, desto höher und gewaltiger werden die Fälle. Das bedeutet aber nicht, dass Sie den Süden überspringen sollten – die kleineren Fälle haben einen eigenen Reiz und lassen sich wunderbar in eine Rundreise einbauen.
Die wichtigste Region für Wasserfälle ist Dalarna, wo sich mit dem Fulufjället gleich mehrere Fälle befinden. Direkt neben Njupeskär liegen weitere, kleinere Fälle, die Sie auf dem Wanderweg passieren. In Jämtland bilden Tännforsen und Hällingsåfallet die Highlights. Und im Norden, jenseits des Polarkreises, warten die großen Fälle der Lapplandsfjäll auf Besucher, die bereit sind, weitere Wege auf sich zu nehmen.
Eine meiner schönsten Reisen war ein Roadtrip von Stockholm aus nach Norden mit Übernachtungen in Dalarna und Jämtland. Vier Tage, drei Wasserfälle, unzählige Aussichten – und am Ende das Gefühl, gerade erst angefangen zu haben. Die schwedischen Fälle belohnen diejenigen, die Zeit mitbringen.
Die saisonale Frage: Wann fließen die Fälle am stärksten?
Der entscheidende Faktor für die Wassermenge ist die Schneeschmelze. In den schwedischen Bergen liegt im Winter oft schneereich, und zwischen Mai und Juni taut die Schneedecke. Dann erreichen die Flüsse ihre höchste Wasserführung, und die Wasserfälle zeigen ihre spektakuläre Seite.
Unsere Erfahrung: Der Juni ist der allerbeste Reisemonat für Wasserfall-Liebhaber. Die Wege sind bereits trocken, aber die Wassermengen noch gewaltig. Im Juli und August sinkt die Wasserführung spürbar, besonders in trockenen Jahren. Njupeskär kann im Hochsommer zu einem dünnen Faden schrumpfen – beeindruckend ist es trotzdem, aber die Kraft fehlt.
Der Herbst (September bis Oktober) bringt eine zweite Chance: Nach Regenfällen steigt die Wasserführung wieder an, und die Herbstfärbung des Laubs macht die Landschaft zu etwas ganz Besonderem. Ein Geheimtipp für Fotografen, die den Menschenmassen entgehen wollen.
Praktische Tipps für Ihren Wasserfall-Besuch
Aus meinen vielen Ausflügen habe ich einige Lektionen mitgenommen, die ich gerne teile:
Planen Sie Zeit ein – die meisten Wasserfälle erfordern eine gewisse Wanderung vom Parkplatz. Rechnen Sie pro Fall mit mindestens zwei Stunden Gesamtzeit inklusive Anfahrt und Besichtigung. Die richtige Ausrüstung – Gutes Schuhwerk ist das Wichtigste, besonders auf den Holzstegen, die bei Feuchtigkeit glatt werden. Ein Regenponcho kann nicht schaden, denn an den Aussichtsplattformen sind Sie der Gischt ausgesetzt – bei Tännforsen wird man nach zehn Minuten patschnass. Respekt vor der Natur – Die Bereiche rund um die Wasserfälle sind oft als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Bleiben Sie auf den Wegen, nehmen Sie Ihren Abfall wieder mit und vermeiden Sie das Betreten der Felsen im Wasser – das ist nicht nur gefährlich, sondern auch verboten.Und noch ein letzter Ratschlag, der mir von einem Einheimischen in Älvdalen gegeben wurde: Lassen Sie Ihr Handy in der Tasche – zumindest eine halbe Stunde am Tag. Die Wasserfälle Schwedens gehören zu den Orten, an denen man wirklich ankommen kann. Das Rauschen des Wassers überdeckt alle Gedanken, und man steht einfach da und schaut. Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum die Menschen seit Jahrhunderten zu den Fällen ihrer Heimat pilgern.